Nachbetrachtung: Vertell´n ut oll Tieden

Am Dienstag, den 04.04.2017
um 19:30 Uhr
vertellt Axel Heinze über die Entstehung und Geschichte Moorwegs.

Dunumer „Vertell Abende“ erfreuen sich großer Beliebtheit.

Nach Begrüßung auf der obligatorischen „Tee mit Krintstut“ Runde eröffnete Peter Peters mit dem „Einmannsketsch“ „Een de so leep und immer noch so leep“ (den Dunumern von Hermann Goldenstein bestens bekannt) den „Vertell´n ut oll Tieden“ Abend im Hayungshof.
Für den erkrankten D. Dieker waren Luise Böök, Hermann Ammen und Eibo Eiben in die Bresche gesprungen. Den Einstieg in die Erzählrunde machte Luise Böök mit einer amüsanten Geschichte über das „Dösken“ (Dreschen) früher. Sodann gingen Eibo Eiben und Hermann Ammen darauf ein, wie sie früher das Dreschen erlebt hatten. Eibo Eiben die Dreschmaschine in Familienbesitz war. Vier Familien in Dorf halfen sich gegenseitig. Oft waren die Wege grundlos – dann war das transportieren der Maschine schon ein Problem. Das Dreschen an sich, darauf freute man sich in gewisser Hinsicht. Zu essen gab es reichlich und gut, dazu fettreich. Tee mit selbstgebacken Kuchen (der Jahreszeit angepasst) gehörte ebenso dazu, wie („sülmstbackt Stut, „een Schnaps ton herünnerspöle´n van den Stoff un togoderletzt een Grog. Auf der Geest gab es sehr oft auch mittags „Hüdels mit Beeren“.

Hermann Ammen wusste dann sehr anschaulich zu berichten, wie die Lohndrescher mit ganzer Mannschaft über Land – von Paatz to Paatz zogen. Drei – vier Tage machte man Station auf den großen Marsch-Bauernhöfen. Man schlief im Stroh. Waschen und rasieren war erst am Wochenende dran. Einheitsessen war angesagt, meist Bohnen mit „extra dick“ Speck. Die Kaffeekanne stand auf der Futterkiste im Pferdestall. Rund um das Dreschen gab es viele Anekdoten zu erzählen. So erzählte Hermann Ammen, dass bei ihm im Elternhaus die Betten mit frischem Stroh gefüllt wurden.
Nachdem Luise Böök ihre zweite Geschichte „Etta wurd melk“ vorgetragen hatte, wurde gleich lebhaft – auch in der großen Runde diskutiert. Wenn früher eine Kuh kalbte, zog man gleich die Nachbarn hinzu. Lies das Kalb noch auf sich warten, so warteten die „Hebammen“ in der Küche (oft auch nachts) bei Tee, Schnaps und Grog – und nicht selten musste die Kuh ihr Kalb dann selbst zur Welt bringen. Die erste Mich nach dem Kalben der Kuh, die „Beestmelk“ benutzte man früher zur Herstellung des gut schmeckenden „Beestmelkkäs“.
Die dritte Geschichte handelte von den „Up Abendvisit gohn“. Viele der Anwesenden wussten davon zu erzählen, wenn man in der Nachbarschaft auf „Abendvisit“ ging. Bei Tee und Kuchen wurde viel „geschnackt“ über das Leben und der Menschen im Dorf. Die Frauen hatten meist das „Stricken“ mitgebracht. Bevor es zum Schluss noch etwas Alkoholisches gab, ging es in den Stall wo fast jedes Tier begutachtet wurde. Da wo Kinder waren, die in Butzen neben der Stube schliefen, waren die Kinder „ganz Ohr“ um alles zu belauschen, was die Erwachsenen sich alles erzählten.
Hilka Behends erzählte, dass man auf Abendvisit oft auch was vom Schlachten mitgebracht wurde. Und Gerda Erdmann ergänzte, dass sie mit ihren Freundinnen Else Eiben und Jette Reents sich als junge Mädchen besucht hätten und gestrickt haben.
Das Besenreisig schneiden und „Struckbessen“ binden sowie „Taudreihn“ war für die Männer im Winter eine immer wiederkehrende Arbeit, welche auch gerne mit Nachbarn gemacht wurde.
„Die gute alte Zeit“, die ja immer so gerne beschworen wird, war aber längst nicht immer gut, wenn man Steckrüben aus den Mieten holen musste oder die Wasserleitungen dichtgefroren waren.
Zum Schluss des Abends erinnerte man sich auch noch an den Maskenball (Fasching) bei Ricklef Reents oder an die sogenannten „Teeabende“. Das bei Ricklef Reents oder Vissering in Ost-Dunum früher Theaterabende stattfanden – kann man sich heute kaum noch vorstellen, ebenso das Alt und Jung wochenlang Schlittschuh (Schöfeln) kaufen konnten.
Lebhaft wurde noch weiter an diesem Abend „u toll Tieden“ im Winter vertellt.
Viel zu schnell ging dieser kurzweilige Abend zu ende.