Nachbetrachtung: Vertelln ut oll Tieden

Herrmann„Vertellabende“ im Hayungshof erfreuen sich großer Beliebtheit. Den letzten Abend in der Reihe bestritten Hermann Ammen und Otto Menßen: zwei Unikate, zwei Stunden Amüsantes. Überaus zahlreich waren Interessierte zum „Vertell doch mal“ – Abend im Hayungshof erschienen.
Anekdoten, Erlebnisse, Begegnungen und Streiche ihrer Kinder- und Jugendzeit brachten sowohl Herrmann Ammen als auch Otto Menßen auf ihre ganz eigene und besondere Art den vielen Zuhörern nahe.
„Tja richtig, so war dat, genau so“, hörte man es aus dem Publikum. Tränen wurden gelacht, aber auch Nachdenkliches klang durch.
So war die Kinder- und Jugendzeit nicht nur schön und romantisch, nein, auch hart und schwer. Hermann Ammen, allen bestens als „Theaterspöler“ bekannt, erzählte, dass er mit dreizehn Jahren, gleich einen Tag nach seiner Konfirmation, in Stellung ging. Zu Hause bleiben war bei zwölf Kindern nicht drin. „Bit Bur“ sein Brot verdienen, so war die Devise. Martin Jabben, Remmer Ullrichs und Hans Ulfers waren seine ersten Stationen. Dat „Stiekel stecken“, das Stoppelrüben ernten und waschen, sind ihm noch bestens in Erinnerung. „Es war harte Arbeit und es hat uns zum Teil auch geprägt“, so Herrmann Ammen. „Das dreimal Melken der Kühe am Tage war vor siebzig Jahren schon `in´. Dass die Pferde abends um neun Uhr noch abgefüttert werden mussten, soll nicht unerwähnt bleiben. Weil wir es nicht anders kannten, waren wir trotzdem zufrieden und hatten stets unseren Spaß.“
An all die vielen Erlebnisse erinnerte Hermann Ammen sich bestens und erzählte, wie man Schafe und Schweine schwarz geschlachtet hat, wie man mit dem Fahrrad zu Tanzvergnügen bis zu dreißig Kilometer fuhr und wie erlebnisreich das nach Hause bringen seiner Braut war. Aber auch wie gefährlich es war, wenn man „seine Braut“ in einem anderen Dorf hatte.
Es war nicht minder amüsant und interessant, wie Otto Menssen aus Esens von seiner Kindheit berichtete. Dass er einst auch Theaterspieler in Aurich war, spürte man an seinen Erzählungen und Geschichten. Das Spielen draußen, mit anderen Kindern, hat gut getan, Spaß gemacht und müde gemacht. Mit dem „Stricksand“ und „Kamillensamen“ auf Zigarren-Loren verladen konnte man sich einen ganzen Nachmittag beschäftigen. Genauso aufregend und spannend war das „Cross-Motorradrennen“ mit dem Fahrrad. Oh du schöne Kinnertied, kann man da wohl sagen. Amüsant waren die Anekdoten mit dem Fahneneinzugsmarsch und zwei weiteren Vertellsels. Für diesen kurzweiligen und interessanten Abend ernteten Herrmann Ammen und Otto Menssen reichlich Beifall. Die Fortsetzung mit den Beiden erfolgt im nächsten Winter. Der nächste „Vertelln ut oll Tieden“ – Abend ist am 03. März, um 19.30 Uhr im Hayungshof, dann mit Edo Feddermann, Polizeimeister i.R. aus Esens.
Der Freundeskreis Hayungshof weist auf eine plattdeutsche Lesung mit Luise Böök und Manfred Briese am 27. Februar sowie auf den Tanztee-Nachmittag am 1. März von 15.00 bis 18.00 Uhr im Hayungshof hin, mit Musik einer Live-Kapelle, so wie es früher war.