Nachbetrachtung: Vertell´n ut oll Tieden

Am 08.05.2017 gibt es um 19:30 Uhr einen wissenschaftlichen Vortrag im Hayungshof über Ausgrabungsfunde und Schriften von Dunum.

Moorweg eine Gemeinde der Domänen – Klöster und Moore
Axel Heinze, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Heimatmuseum, sowie engagierter Mitarbeiter im Heimatverein Esens las und berichtete unlängst aus seinem über Moorweg geschriebenem Buch: „Moorweg, eine Gemeinde der Domänen – Klöster und Moore“ im Vortragsraum der Peldemühle in Esens. Da es zwischen Dunum und Neugaude auf verschiedenen Ebenen Berührungspunkte gibt, zeigte sich Eibo Eiben sehr erfreut, Axel Heinze für eben solch einen Vortrag im Hayungshof im Rahmen der „Vertell´n ut oll Tieden“ Abende zu gewinnen.
So meinte Heinze eingangs, dass Dunum das wohl best untersuchte Dorf in ganz Niedersachsen sei. (Anmerkung: Wohl ein wenig übertrieben, sicherlich aber auch dadurch bekundet, dass es viele geschichtsträchtige Gegenstände von Dunum gibt.
Moorweg mit seinen ursprünglichen Domänen, Klöstern und Moore ist völlig anders gelagert als Dunum und auch wesentlich jünger.
Wie schon der Name sagt: Viel Moor – Moorrast – Heide und Wege. Ursprünglich, ja eigentlich bis zum heutigen Tag gibt es keinen richtigen Dorfkern (wenn überhaupt, dann im Bereich der Schule) erstreckt sich Moorweg von Westerschoo bis Margens und ragte bis ins heutige Esens (Bahnhofstraße – Schützenplatz) hinein. Landstriche bzw. Ortsteile der Gemeinde sind: Klosterschoo, Schoo, Wagnersfehn, Neugaude, Altgaude und Westerschoo, dazu gehörten auch die Gehöfte „England“ und „Amerika“ ganz in der Nähe des Schaffhauser Waldes, aber auch Falkenhütt.
Die Gemeinde Moorweg war stets darum bemüht, selbstständige Gemeinde zu sein und zu bleiben (wurde immer wieder von den umliegenden Gemeinden umworben).
Sodann las Heinze weiter aus dem Buch: Um 1875/78 wurden 38 Mädchen und 2 Jungen in der Schule aus Neugaude erkrankt. Eine Art epileptische Anfälle. Erst später auf Umwegen und dann auf Amtswegen – über das damalige „Altes Amt Esens“ die Landesbehörde bekam dann auch das „Reichsministerium“ davon Kenntnis. Amtsärztliche Untersuchungen standen an. Vermutungen, das angstmachende Predigten des Dunumer bzw. Methodisten Predigers die Ursache waren, wurden nicht bestätigt. Die Schulaufsicht seinerzeit oblag der Kirchengemeinde (Pfarramt Dunum).
Es wurden zu der Zeit in Neugaude 105 – 110 Kinder unterrichtet. Alle 14 Tage gab es Gottesdienste in Neugaude – die sehr gut besucht wurden, dazu auch noch Bibelabende in vielen Häusern, bedingt wohl auch dadurch, dass die Wege unpassierbar waren. Es herrschte auf den Moorkolonien bittere Armut. Es gab seinerzeit 80 Kolonien. Deren Größe war sehr unterschiedlich, in der Regel aber 3 – 4 ha – welche kultiviert werden mussten. Heinze berichtete aus Unterlagen der Familie Johann Lüken, die aus einer Gewitterkiste stammten, in deren Besitz mehrere Kolonate waren.
„Moorbriefe“ konnte in damaliger Zeit erwerben. Die hatten Gültigkeit, solange man den Torf abbauen konnte. Wollte man Buchweizen anbauen, musste man das anmelden. Die Hauptentwässerung erfolgte durch den Hünnschloot. Dass man mit Moorbriefen zu Geld kommen konnte, ging aus Heinze seine Erzählungen hervor.
Zum Schluss kam Axel Heinze auf „Zeitzeugen“ zu sprechen – so wie zum Beispiel Eddo Feddermann. Feddermann aus Klosterschoo war es seinerzeit nicht vergönnt die Mittelschule zu besuchen, da er erstens über die schlechten Wegstrecken schlicht weg nur schlecht vorankam, zweitens kein Fahrrad besaß um zur Schule zu kommen und drittens kostete der Schulbesuch Geld. – Doch zu Guter Letzt konnte er später seine Ausbildung zum Polizeimeister absolvieren.
Vielen Dank an Axel Heinze für seinen Vortrag aus seinem Buch!