Nachbetrachtung: Vertell´n ut oll Tieden

Nächster Vertell-Abend am 07.03.2017 um 19:30 Uhr

Thema: Wie war das Leben früher in der Familie und im Dorf?

Adolf Sanders „vertellte“ im Hayungshof

Zum Februar „Vertell´n ut olle Tieden“ Abend waren wiederum über 40 Gäste in den Hayungshof gekommen. Dass die Resonanz so groß war, lag an dem Thema „Wahngloor un Spökenkiekeree“ mit Adolf Sanders aus Norden. Er war auf Initiative von Luise Böök nach Dunum gekommen. Sanders – Mitbegründer des ostfriesischen Bladdje „Diesel“ hatte sich intensiv mit dieser Materie beschäftigt und fand in Dunum interessierte Zuhörer. Humorvoll, amüsant mit viel Fachwissen und auf Plattdeutsch sein Vortrag.

„De Lü fragen, de Lü lesen – den mooten se ok een Antwort hem´n!“ – so die These von Sanders. Bis auf den heutigen Tag lassen Menschen sich die Zukunft vorhersagen, lassen sich aus der Hand lesen und all überall werden täglich Horoskope gelesen. Erstaunlich war zu hören, dass dieses wieder zugenommen hat. Sanders bringt dies damit in Verbindung, dass unsere Gesellschaft mehr und mehr von Gott und dem christlichen Glauben abfällt.

Wahngloor – Aberglaube ist der Glaube am Übernatürlichen, an Naturgewalten. Sodann kam Sanders auf die „Spökenkiekeree – das „Spöken“ im Wald, im Moor, auf dem Friedhof, in alten Mühlen u. s w. zu sprechen.

In Sagen und Erzählungen wird berichtet, daß zum Beispiel beim Deichbau Opfer gebracht werden mussten (Mensch oder Tier) Schimmelreiter.

Auf die christlichen Symbole wie Engel, Kreuz, Sterntaler oder Porzellan bei Polterabend – was Glück bringen sollte, bzw. in weiß heiraten – als Zeichen der Unschuld, das Brot als Zeichen für allzeit genug zu essen oder einen Talisman bei sich haben wie „alltied een Pennik int Knipp“ ging Sanders zum Schluss seiner Ausführungen noch auf den Hexenglauben, der im Mittelalter ja sehr verbreitet war, ein. Die erste Hexenverbrennung gab es im Jahre 1275 in Toulouse und Hexenprozesse gab es bis ins 18. Jahrhundert.

Tja, auch das Thema „Sekten“ wurde erörtert, die auch in der heutigen Zeit am Werke sind. Sich von Angst und Schuld freikaufen können, soll es auch heute noch geben.

Manchmal passt es ja auch und kommt auch so hin: Eine Katze läuft von links über die Straße vor dein Auto lang – Unglück?

Oder die Katze putzt sich – soll heißen: „Es gibt Besuch (Visiet)“. Oder eine Leiche über Sonntag im Dorf oder in der Nachbarschaft, folgen weitere Sterbende. Schornsteinfeger mit Glücksschwein oder Glücksklee (Klöver Veer) – es ist schön, wenn die einem Glück bringen und maal 13 muss auch nicht immer Unglück bringen. Leute, die wahrsagen oder voraussagen, legen das, was sie sagen immer so aus, das sie recht behalten.

„Du kannst, musst dat aber nicht glöven. Ein hoch interessanter Abend im Hayungshof schloss Sanders mit dem Glauben an Gott und seine eigene Kraft.

Im Laufe des letzten „Vertelln u toll Tieden“ Abend im Hayungshof stellte Edo Lüken alte Dachziegel vor. Zementpannen – das interessante daran: Die Dachziegel wurden auf dem Gelände der Kleinbahn und der Haltestelle Dirksen Anfang des 20. hergestellt – die Ziegel befanden sich noch in einem sehr guten Zustand, man könnte sie ohne Weiteres heute noch verwenden. Sicher noch einmal 100 Jahre. Kaum einer wusste davon, dass es einst eine Zementfabrik in Dunum gab.